Es ist eine Frage, die vielen Autobesitzern an der Tankstelle durch den Kopf geistert: Darf mein Auto eigentlich E10 tanken? Oft wird beim Griff zur Zapfpistole gezögert – aus Unsicherheit, ob das eigene Auto E10 verträgt und schlimmstenfalls sogar Motorschäden drohen. Wir erklären, wann man E10 tanken darf, wo der Unterschied zum Super E5 besteht und ob es Nachteile gibt.

Die gute Nachricht vorweg: Die überwiegende Mehrheit aller Pkw mit Benzinmotor in Deutschland verträgt den E10-Kraftstoff mittlerweile problemlos. Die Frage, ob man E10 tanken darf oder nicht, hängt primär von den im Kraftstoffsystem verbauten Komponenten ab, insbesondere den Dichtungen, Schläuchen und der Benzinpumpe.

Wie finde ich heraus, ob mein Auto E10 tanken darf?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie sich herausfinden lässt, ob sich das eigene Auto mit E10-Kraftstoff betanken lässt oder eher nicht.

  • Hinweis im Tankdeckel: Bei vielen Pkw befindet sich auf der Innenseite des Tankdeckels ein runder Aufkleber mit der Aufschrift „E10“ als Freigabe für den Biokraftstoff.
  • DAT-Liste nutzen: Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) veröffentlicht regelmäßig eine aktualisierte Liste, in der sämtliche Hersteller und deren E10-taugliche Modelle aufgeführt sind.
  • Baujahr ab 2012: Bei Benzinfahrzeugen, die ab 2012 in Deutschland erstmals verkauft wurden, ist die E10-Verträglichkeit laut DAT grundsätzlich gegeben.
  • Hersteller-Hotline: Bei Unsicherheiten gibt der Hersteller eine verbindliche Auskunft. Dafür ist in der Regel die Fahrzeugidentifizierungsnummer (FIN) erforderlich.
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Wann sollten Autofahrer besser kein E10 tanken?

Obwohl der E10-Kraftstoff für die breite Masse der Alltagsautos mittlerweile also die günstigste und sicherste Wahl ist, gibt es spezifische Einsätze und Fahrzeugtypen, bei denen lieber auf E5 oder sogar Super Plus auszuweichen ist.

Saisonfahrzeuge mit langer Standzeit: Bei Cabrios, Motorrädern, Wohnmobilen oder Oldtimern, die über mehrere Monate hinweg stillgelegt werden (etwa während der Winterpause), ist vor dem Abstellen besser auf das Tanken von E10 zu verzichten. Denn Ethanol ist hygroskopisch, also wasseranziehend.

Bei längerer Standzeit sowie ungünstigen Bedingungen kann es deshalb zur sogenannten Phasentrennung (auch Entmischung genannt) kommen, bei der sich eine wasserreiche Phase am Tankboden bildet. Das kann insbesondere bei bestimmten Materialien Korrosion begünstigen.

Herstellerfreigabe fehlt: Wenn der Pkw laut DAT-Verträglichkeitsliste oder Betriebsanleitung keine explizite Freigabe für E10 besitzt, sollte man das Risiko keinesfalls eingehen. Bei nicht für E10 freigegebenen Fahrzeugen können die höheren Ethanolanteile unter anderem Materialien im Kraftstoffsystem angreifen und dadurch Undichtigkeiten oder andere Schäden begünstigen.

Hochleistungsmotoren mit hoher Oktanzahl: Bei Fahrzeugen, für die der Hersteller Kraftstoff mit mindestens 98 ROZ vorschreibt, sollte diese Vorgabe eingehalten werden. Ob zusätzlich E10 verwendet werden darf, hängt von der jeweiligen Herstellerfreigabe ab. Bei Verwendung von Kraftstoff mit niedrigerer Oktanzahl können Leistung und Motorlauf beeinträchtigt werden.

Plug-in-Hybride mit seltenem Verbrennereinsatz: Bei Plug-in-Hybriden, die über längere Zeit nur selten mit dem Verbrennungsmotor gefahren werden, sollte die Herstellerempfehlung zur Kraftstofflagerung beachtet werden. Entscheidend ist vor allem, dass der Kraftstoff nicht übermäßig lange im Tank verbleibt.

Was ist der Unterschied zwischen E10 und Super E5?

Die meisten Autofahrer wissen gar nicht, was der Unterschied zwischen klassischem Super E5 und dem günstigeren Super E10 ist. Der Hauptunterschied liegt im Anteil des beigemischten Bioethanols, denn während herkömmliches E5 bis zu 5 Prozent Bioethanol enthält, liegt der Anteil bei E10 bei maximal 10 Prozent.

Ansonsten gibt es (fast) keine Unterschiede, denn beide Kraftstoffe sind als 95-ROZ-Kraftstoffe erhältlich und weisen damit grundsätzlich die gleiche Mindest-Klopffestigkeit auf. Die Verwendung von E10 hat bei einem dafür freigegebenen Fahrzeug deshalb keinen Einfluss auf die Funktionssicherheit, Lebensdauer oder den Verschleiß.

Wann ist Tanken am günstigsten?
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E10 tanken: Steigt der Verbrauch wirklich an?

Ein oft vorgebrachtes Argument gegen das Tanken von E10 ist der angebliche Mehrverbrauch, der den Preisvorteil von etwa 5 bis 6 Cent pro Liter angeblich wieder wettmacht. Tatsächlich steigt der Verbrauch mit E10-Kraftstoff leicht an, allerdings ist dieser Nachteil zu vernachlässigen.

Weil Bioethanol eine um etwa ein Drittel geringere Energiedichte aufweist als reines Erdölbenzin, ergibt sich beim Tanken von E10 aus physikalischer Sicht ein minimaler Mehrverbrauch von etwa einem Prozent. Im Alltag ist dieser Nachteil durch E10 allerdings kaum messbar.

Es reichen schon normale Schwankungen durch Fahrstil, Verkehrsaufkommen, Reifendruck oder den Einsatz der Klimaanlage, um die Messwerte zu verfälschen. Wer sparen möchte, sollte lieber den Fuß vom Gas nehmen. Denn schlussendlich bleibt das Tanken mit E10 rein rechnerisch oft günstiger.

Kann E10‑Kraftstoff zum Motorschaden führen?

Neben dem Mehrverbrauch durch E10 kommt auch die Gefahr von Motorschäden immer wieder zur Ansprache. Diese Skepsis geht auf die chemischen Eigenschaften von Ethanol zurück. Der Alkohol besitzt eine lösungsmittelähnliche Wirkung und wirkt in hohen Konzentrationen korrosiv auf ungeschützte Aluminiumbauteile, und kann Dichtungen und Kraftstoffschläuche aus weichen Kunststoffen oder Gummi mit der Zeit spröde machen und zersetzen.

Für Fahrzeuge, die für die Verwendung von E10 freigegeben sind, besteht dieses Risiko im regulären Betrieb jedoch nicht: Autohersteller verwenden seit vielen Jahren chemisch resistente Leitungen, korrosionsfeste Aluminiumlegierungen und angepasste Motorsteuerungen. Wer ein freigegebenes Auto fährt und regelmäßig E10 tankt, setzt die Technik keinerlei erhöhtem Verschleiß aus.

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Fazit: Wann sich Super E10 wirklich lohnt

Das Tanken von Super E10 ist für die überwiegende Mehrheit aller Autofahrer eine einfache und sichere Möglichkeit, bei jedem Tankstopp bares Geld zu sparen und gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Solange eine herstellerseitige Freigabe vorliegt und das Fahrzeug nicht über viele Monate unbewegt stillsteht, sind in der Regel keine Nachteile zu erwarten.

Wer allerdings skeptisch bleibt und lieber auf das herkömmliche Super E5 zurückgreifen möchte, kann das weiterhin tun. Auch die wenigen Sonderfälle sollten lieber beim E5 bleiben. Alle anderen Autofahrer können bei einem für E10 freigegebenen Fahrzeug von den Preisvorteilen profitieren.

Sönke Brederlow, Baujahr 1991, ist Automobiljournalist, Rennfahrer und Fahrzeugingenieur. Der Kölner arbeitet als freiberuflicher Texter mit klarem Blick für Technik und Performance und bringt seine Expertise direkt von der Rennstrecke in die Redaktion. Sein Bachelorabschluss in Fahrzeugtechnik sorgt für analytische Tiefe und fachliche Präzision.

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