Viele Autofahrer kennen das Problem, wenn das Auto beim Beschleunigen ruckelt. Das sorgt in den meisten FĂ€llen fĂŒr Verunsicherung: Ist es nur eine Kleinigkeit, etwa eine verschmutzte ZĂŒndkerze, oder droht möglicherweise ein teurer Motorschaden? Wir klĂ€ren, welche Ursachen vorliegen können, wenn das Auto beim Gas geben ruckelt.
Hintergrund: Warum ruckelt das Auto ĂŒberhaupt?
Der Verbrennungsmotor im Auto ist eine PrĂ€zisionsmaschine. Damit er rund lĂ€uft, mĂŒssen drei Faktoren perfekt zusammenspielen: Luft, Kraftstoff und ein prĂ€ziser ZĂŒndfunke. Sobald eines dieser Elemente im falschen Moment oder in der falschen Menge geliefert wird, gerĂ€t der Rhythmus aus dem Takt. Das Ergebnis ist ein Ruckeln, vor allem bei der Beschleunigung.
Das liegt daran, dass dieses komplexe System beim Beschleunigen maximal gefordert wird: Die Drosselklappe öffnet sich, es wird mehr Kraftstoff eingespritzt und der ZĂŒndzeitpunkt muss exakt passen, damit der Motor möglichst ruhig lĂ€uft. Sollte auch nur ein kleiner Defekt vorliegen, der im Leerlauf vielleicht gar nicht auffĂ€llt, ruckelt das Auto beim Beschleunigen.
Ursache: Warum ruckelt das Auto beim Beschleunigen?
Leider gibt es nicht âdie eine Ursacheâ dafĂŒr, wenn das Auto beim Gas geben ruckelt. Stattdessen kann es viele unterschiedliche GrĂŒnde geben, dass die Verbrennung des Motors möglicherweise nicht ordnungsgemÀà funktioniert und ein Ruckeln auftreten kann.
Die ZĂŒndanlage: Der Klassiker unter den Ursachen
Wenn das Auto beim Beschleunigen ruckelt, liegt die Ursache bei gut der HĂ€lfte aller FĂ€lle im Bereich der ZĂŒndung. Das betrifft allerdings nur Fahrzeuge mit Benzinmotor, weil Dieselmotoren sogenannte SelbstzĂŒnder sind und deshalb keine ZĂŒndkerzen haben.
Die ZĂŒndkerzen (alle Informationen im Ăberblick) sind VerschleiĂteile. HeiĂt: Im Laufe der Zeit brennen die Elektroden, die fĂŒr den notwendigen ZĂŒndfunken sorgen, ab oder setzen sich mit RuĂ zu, insbesondere durch zu viele Kurzstreckenfahrten. Wenn der Abstand zwischen den Elektroden zu groĂ wird, schafft es der ZĂŒndfunke unter Last nicht mehr, ĂŒberzuspringen.
- Symptom: Ruckeln vor allem bei niedrigen Drehzahlen und gleichzeitigem Vollgas
- Abhilfe: Austausch der ZĂŒndkerzen â das ist meistens gĂŒnstig und schnell erledigt
Möglicherweise liegt aber auch ein Problem an den ZĂŒndspulen oder den ZĂŒndkabeln vor. Die ZĂŒndspule wandelt die niedrige Batteriespannung in Hochspannung um. Ein Haarriss, also selbst die kleinste BeschĂ€digung, kann dazu fĂŒhren, dass der Strom bei Feuchtigkeit oder hoher Last âentweichtâ statt zur Kerze zu flieĂen. Bei den ZĂŒndkabeln sind vor allem Marderbisse ein hĂ€ufiger Grund fĂŒr FehlzĂŒndungen, die zum Ruckeln fĂŒhren können.
Die Kraftstoffversorgung: Wenn der Motor âverhungertâ
Damit die Verbrennung optimal funktionieren kann und kein Ruckeln bei der Beschleunigung auftritt, muss genĂŒgend Kraftstoff, also Benzin bzw. Diesel, mit ausreichend Druck in das Einspritzsystem des Motors gelangen. Hier ist die zweithĂ€ufigste Ursache zu finden.
Eine typische Ursache dafĂŒr, dass das Auto beim Beschleunigen ruckelt, ist ein verstopfter Kraftstofffilter: Ein Filter, der ĂŒber mehrere Jahre nicht gewechselt wurde, setzt sich mit Partikeln aus dem Tank oder Ablagerungen zu. Im Leerlauf reicht der Durchfluss noch aus, aber beim Beschleunigen âverhungertâ der Motor, weil er nicht genĂŒgen Kraftstoff bekommt.
Schneller Check: Wann war der letzte Service? Kraftstofffilter sollten alle 60.000 bis 100.000 km gewechselt werden, was in der Regel kein groĂer Aufwand ist.
Eine weitere Möglichkeit sind defekte EinspritzdĂŒsen, auch Injektoren genannt. Die Injektoren spritzen den Kraftstoff in den Brennraum. Wenn sie ânachtropfenâ oder verstopft sind, stimmt das MischverhĂ€ltnis nicht mehr, was zu einer unsauberen Verbrennung fĂŒhrt. Die âverkoktenâ Injektoren sind besonders bei modernen Dieselmotoren ein bekanntes Problem.
Luftzufuhr und Sensorik: Das âGehirnâ erhĂ€lt falsche Daten
Damit die Verbrennung möglichst ruhig und zuverlĂ€ssig funktioniert, misst ein modernes Auto permanent, wie viel Luft in den Motor strömt. Auf Basis dieser Daten berechnet das SteuergerĂ€t die exakte Kraftstoffmenge, die in den Brennraum eingespritzt werden muss. Auch hier kann die Ursache fĂŒr einen unruhigen Motorlauf beim Beschleunigen liegen.
Eine bekannte Ursache sind defekte Luftmassenmesser, die im Ansaugtrakt sitzen. Wenn der empfindliche Sensor verschmutzt ist, liefert er falsche Werte an das SteuergerĂ€t. Wenn das Auto denkt, dass weniger Luft ankommt, als es tatsĂ€chlich der Fall ist, wird zu wenig Kraftstoff einspritzt. Das Kraftstoff-Luft-Gemisch ist dann zu âmagerâ, was zum Ruckeln fĂŒhrt.
Ein Ă€hnliches Fehlerbild erzeugt eine defekte Lambdasonde. Die Lambdasonde misst den Restsauerstoffgehalt im Abgas. Wenn dieser Sensor falsche Daten liefert, wird das Gemisch ebenfalls verĂ€ndert, was zum unruhigen Motorlauf fĂŒhren kann. Die Lambdasonde wird extremen Temperaturen und Abgasen ausgesetzt, deshalb gehört sie bei hohen Laufleistungen zu den ĂŒblichen VerdĂ€chtigen fĂŒr ein Ruckeln bei der Beschleunigung.

Eine weitere Option: Wenn SchlĂ€uche im Ansaugsystem porös sind oder sogar Risse haben, etwa durch Hitze oder Alterung, zieht der Motor die Luft am Luftmassenmesser vorbei. Diese sogenannte âFalschluftâ hat Ă€hnliche Folgen. Ein gĂ€ngiger Trick, um solche Lecks in der Werkstatt aufzuspĂŒren, ist das AbsprĂŒhen des Motors mit einem speziellen Spray.
Abgassystem und Umweltauflagen als mögliche Ursache
Damit die modernen Autos die Vorschriften und Abgasnormen einhalten, sind spezielle Systeme erforderlich, darunter die sogenannte AbgasrĂŒckfĂŒhrung, kurz AGR. Das AGR-System reduziert Stickoxide, indem ein Teil der Abgase zur Senkung der Verbrennungstemperatur erneut dem Ansaugtrakt zugefĂŒhrt wird.
Im Laufe der Zeit setzt sich das AGR-Ventil allerdings mit RuĂ zu und kann sich deshalb verklemmen. Wenn die AbgasrĂŒckfĂŒhrung beim Beschleunigen geöffnet bleibt, obwohl sie eigentlich schlieĂen sollte, bekommt der Motor zu viel Abgas und zu wenig Frischluft â er fĂ€ngt an zu stottern, weil der Sauerstoff fĂŒr eine saubere Verbrennung fehlt.
Und jetzt? Was sollte man tun, wenn der Motor ruckelt?
Bevor man direkt in die Werkstatt fĂ€hrt und eine zeitaufwendige und damit möglicherweise auch teure Ursachenforschung betreiben lĂ€sst, kann man die erste Bestandsaufnahme auch selbst machen, um der möglichen Ursache fĂŒr das Ruckeln auf die Spur zu kommen:
- Warnleuchten: Leuchtet die Motorkontrollleuchte im Kombiinstrument? Wenn ja, ist ein Fehler im SteuergerÀt gespeichert, der möglicherweise weitere Informationen liefert.
- SichtprĂŒfung: Ein Blick unter die Motorhaube kann nie schaden. Vielleicht lassen sich bereits angefressene Kabel bzw. lose oder rissige SchlĂ€uche finden?
- Wann tritt das Ruckeln auf? Nur bei kaltem Motor? Nur wenn es regnet? Nur in einem bestimmten Gang? Diese Information kann fĂŒr die Werkstatt sehr hilfreich sein.
- Falsch getankt? Sollte das Ruckeln direkt nach dem Tanken auftreten, ist besondere Vorsicht geboten. Vielleicht wurde versehentlich der falsche Kraftstoff getankt?
Auto ruckelt: Vielleicht liegt es gar nicht am Motor âŠ
Manchmal trĂŒgt der Schein: Das typische Ruckeln fĂŒhlt sich zwar so an, als kĂ€me es direkt vom Motor, doch die Ursache liegt vielleicht woanders â in der KraftĂŒbertragung, im Fahrwerk oder an den Reifen. Wenn der Motor eigentlich sauber lĂ€uft, die Kraft aber nicht gleichmĂ€Ăig an den RĂ€dern ankommt, kann ein unangenehmes Vibrieren oder StoĂen auftreten.
Eine mögliche Ursache wĂ€re ein defektes Zweimassenschwungrad, kurz ZMS, das vor allem bei modernen Dieseln und drehmomentstarken Benzinern verbaut ist. Seine Aufgabe ist es, die Schwingungen des Motors vom Getriebe fernzuhalten. Dazu befindet sich im Inneren ein Federsystem, das mit der Zeit verschleiĂen oder brechen kann â und dann zum Ruckeln fĂŒhrt.
Bei einem Auto mit Automatikgetriebe kann das Ruckeln beim Beschleunigungsvorgang auch am Getriebeöl liegen, das ĂŒber die Jahre altert und seine Schmiereigenschaften verliert. Möglich ist auch, dass feiner Metallabrieb die kleinen KanĂ€le in der Steuereinheit verstopfen. Die Folge: SchaltvorgĂ€nge fĂŒhlen sich âhartâ an, und das Auto ruckelt beim Beschleunigen.
Die Antriebswellen ĂŒbertragen die Kraft vom Getriebe an die RĂ€der. Wenn die schĂŒtzenden Gummimanschetten reiĂen, tritt Fett aus und Schmutz dringt ein. Das Gelenk lĂ€uft trocken und bekommt Spiel. Das Ruckeln ist dann eher ein rhythmisches Zittern im Lenkrad oder im ganzen Vorderbau, das beim Gasgeben stĂ€rker wird, aber beim Rollenlassen verschwindet.
Wie hoch sind die Kosten fĂŒr eine Reparatur?
Was die Kosten fĂŒr eine Reparatur angeht, ist eine prĂ€zise Vorhersage vor der eigentlichen Diagnose reine Spekulation. Im besten Fall ist nur ein kleiner Unterdruckschlauch porös oder ein Stecker hat sich gelockert, dann reicht vielleicht schon ein Zehner fĂŒr die Kaffeekasse. Auf der anderen Seite können ein verschlissenes Zweimassenschwungrad oder defekte Injektoren schnell mit mehreren hundert bis tausend Euro zu Buche schlagen.
Dazwischen liegt das weite Feld der klassischen VerschleiĂteile wie ZĂŒndkerzen, Filter oder Luftmassenmesser, bei denen Kosten meist im mittleren dreistelligen Bereich liegen. Ohne das Auslesen des Fehlerspeichers bzw. eine gezielte PrĂŒfung durch eine erfahrene Werkstatt bleibt jede PreisschĂ€tzung allerdings ein Blick in die Glaskugel.
Fazit: Das Ruckeln zu ignorieren ist keine gute Idee!
Wenn das Auto beim Beschleunigen ruckelt, dann ist das nicht nur unkomfortabel und lĂ€stig. Im schlimmsten Fall drohen teure FolgeschĂ€den, denn FehlzĂŒndungen können unverbrannten Kraftstoff in den Katalysator leiten und diesen zerstören, was die Kosten schnell verdoppelt oder verdreifacht. Zudem wird mehr Sprit verbraucht, wenn der Motor nicht effizient lĂ€uft.
Deshalb ist es ratsam, das Ruckeln beim Gas geben nicht zu ignorieren, sondern die Ursachen schnell zu ermitteln. Oft ist es nur ein kleines Problem, etwa eine verschlissene ZĂŒndkerze oder ein verstopfter Kraftstofffilter, was sich mit wenig Aufwand wieder reparieren lĂ€sst.

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